Ist das Einfache das Bessere? Selbstverständlich nicht. Als Freund des Einfachen, das ständig verbessert werden will, würde mir ein Ja auf diese Frage schon leichter fallen. Dieses Brot ist jedenfalls etwas komplexer, aber keinesfalls schwierig zu backen.
Am Beispiel dieses Brotes möchte ich meinem Ketzermaul etwas freieren Lauf geben. Hier sieht man, dass das „Einfache“ eben der Totengräber des Besseren wäre. Jede Kunst wird erst durch das Nuancierte zum Unikat, und hier zum Genuss. Die Feinheiten sind es an denen wir uns ergötzen; sei es im Sinnlichen oder Geistigen.
Wir sind alle mit sehr unterschiedlichen Temperamenten begabt, die unser Herangehen an die Dinge bestimmen. So möchte ich mir wünschen, dass das Spielerisch-Akribische, das etwas aus dem Zeitgeist gefallen ist, eine bessere Konjunktur hätte. An ein und demselben Rezept immer wieder herum zu feilen lässt einen lernen, viel Neues erfahren und noch dazu einen Heidenspaß erleben. Von einer zur anderen Blume zu fliegen mag interessant sein, aber hindert uns vielleicht eine tiefere Beziehung einzugehen.
Dieses Brot ist nicht nur meiner Meinung nach etwas Besonderes. Um den vollen Genuss zu haben, möchte ich möglichst genaues Nachbacken empfehlen.
Besitzt man eine sehr knetstarke Maschine, sollte man aufpassen, dass einem die TT nicht zu hoch gerät. Jetzt im Sommer ist schon mal 5 Grad Schüttwasser notwendig. Die TA180 garantiert eine lange Frischhaltung. Die Tiefe des Geschmacks, wie schon gesagt, etwas ganz Besonderes.

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Hier das Rezept:
Rustikale Bauerkruste
Ergibt 2 Laibe zu je 800 g
Sauerteig
150 g Roggenmehl 1150
150 ml Wasser 45-50 Grad
17,5 g ASG
3 g Salz
Bei 30 Grad in den Ofen stellen. Nach 4 Stunden Ofen ausschalten und weitere 7 Stunden gehen lassen.
Brühstück
100 g Altbrot (Wenn man will kann man 50 g Roggenflocken und 50 g Altbrot mischen)
237,5 ml Wasser, kochend
Über Nacht quellen lassen
Hauptteig TA180
Sauerteig - Brühstück
150 g Roggenvollkornmehl
275 g Weizenmehl 1050
150 g Weizen- oder Gelbweizenvollkornmehl
12,5 g Dinkelkraft
6,25 g Aromamalz (Adlermühle)
6,25 g Roggenmalz (Adlermühle)
25 g ASG
14,25 g Salz
7,5 g Kartoffelflocken
2,5 g Flohsamenschalen
33,75 g Rübenkraut oder Malzextrakt
262,5 ml Wasser5/18-19 Grad (Sommer/Winter)
10 ml Bassinagewasser
10 g Fischhefe
In das Brühstück eine Mulde drücken und den Sirup hinein gießen und mit dem ASG zusammen auf den Sauerteig kippen. Mehl und die restlichen Zutaten dazugeben. 3 Minuten kneten. TT messen. Weitere 2 Minuten kneten und dann das Salz dazu geben. Das Restwasser zur Basinage nach und nach in ca. 3 Minuten einarbeiten. Darauf achten, dass sich der Kleber schön entwickelt.Teigtemperatur 25-26 bis max. 26,5 Grad.
Stockgare
40-45 Minuten bei Raumtemperatur.
Stückgare
2 Teiglinge abwiegen. Gut flach drücken, rund- und langwirken. Mit Schluss nach unten in die Gärkörbe setzen.
70-90 Minuten bei 27 Grad im Gärschrank oder bei RT gehen lassen. Die Teiglinge sollten 3/4-4/5-Gare erreichen. Wenn man einen Teiglinge rund- und den anderen lang wirkt, dann bekommt man problemlos beide Teiglinge neben einander in den Ofen.
Backen
Bei 260 Grad mit gut Schwaden einschießen. Nach 15 Minuten Schwaden ablassen. Temperatur auf 235 Grad senken und weitere 25 Minuten backen. Die letzten 10-15 Minuten die Temperatur wieder auf 250 Grad anheben.
Mehl 825 g - Wasser 660 ml - Sonstige g 136,25 g - TG: 1621,25 g
RM 340 g = 41 % - WM 485 g = 59% - VKM 340 g = 41%
Manfred
Lieber mehr essen, als zuwenig trinken.